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Wirtschaft | Do, 20.01.2011 07:20

Zahl der Auszubildenden in den Tourismusberufen gesunken

Aktuellen Erhebungen des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK) zufolge haben im Südwesten rund 4.300 junge Leute im vergangenen Jahr eine Ausbildung im Gastgewerbe und in der Reisebranche begonnen. Damit weist die Zahl der Auszubildenden im Hotel- und Gastgewerbe in 2010 ein Minus von 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf und ist erstmals seit 2003 wieder gesunken. Außerdem konnten fünf Prozent weniger neue Ausbildungsverträge eingetragen werden. Der Kampf um den betrieblichen Nachwuchs hat im Tourismus also begonnen und wird sich in den nächsten Jahren vor allem auch durch den demografischen Faktor weiter verschärfen.


„Der Fachkräftemangel ist in Hotellerie und Gastronomie angekommen. In der Tat stehen in allen Regionen des Landes noch genügend unbesetzte Ausbildungsstellen zur Verfügung“, so Martin Keppler, Hauptgeschäftsführer der im Bereich Tourismus federführenden IHK Nordschwarzwald, anlässlich des Tourismustags auf der Internationalen Ausstellung für Caravaning, Motor und Touristik (CMT) in der Neuen Messe Stuttgart.

Der Konkurrenzkampf findet dabei nicht nur unter einzelnen Unternehmen, sondern auch zwischen den Wirtschaftszweigen statt. Gute Schulabgänger werden sich somit auf diejenigen Branchen konzentrieren, welche das beste Angebot machen. „Die Aus- und Weiterbildung von qualifizierten Fachkräften muss den Unternehmen am Herzen liegen. Insbesondere das Gastgewerbe wird in Zukunft nur schwer als attraktiver Arbeitgeber mithalten können“, sagte Keppler auf der Pressekonferenz des Wirtschaftsministeriums anlässlich des CMT-Tourismustages. Im Hinblick auf die sinkende Zahl der Schulabgänger würden künftig vor allem in den Tourismusregionen im Südwesten qualifizierte Fachkräfte sowie guter ausbildungsfähiger Nachwuchs dringend benötigt. Bereits heute gelinge es den Hotels kaum, spezialisierte Fachleute wie Patissiers oder Sommeliers anzuwerben.

Positive Nachrichten gibt es vom Deutschlandtourismus zu vermelden, der als deutlicher Gewinner aus der Wirtschaftskrise hervorgegangen ist. Dies belegt der kürzlich erschienene „Tourismusreport 2010/11“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), zu dem bundesweit 6.200 Unternehmen befragt wurden. Auch die baden-württembergische Beherbergungsstatistik spricht eine deutliche Sprache: Im Zeitraum von Januar bis Oktober 2010 zeigt sich landesweit ein deutliches Plus von 2,3 Prozent bei den Übernachtungen sowie ein Zuwachs um 3,7 Prozent bei den Ankünften. Mit neun Prozent mehr Gästen war Baden-Württemberg besonders bei ausländischen Besuchern ein beliebtes Reiseziel.

Insgesamt werden in den Tourismusberufen derzeit 10.600 Auszubildende von den zwölf Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg betreut. Die Zahlen sind nach Jahren mit Zuwächsen erstmals auf den Stand von 2003 gesunken. Besonders im Service, also bei Restaurantfachleuten und Fachkräften im Gastgewerbe, fehlen Bewerber - hier gab es Rückgänge im zweistelligen Bereich. Weniger schwierig ist die Situation bei Hotelfachleuten und Köchen, da diese Berufe nach wie vor beliebt sind. Gute Perspektiven und Chancen in der Tourismuswirtschaft wie auch in andern Dienstleistungsbranchen bieten diese Berufe allesamt und die Fachkräfte sind auch im Ausland sehr gefragt.

Wie spannend und wichtig Tourismusberufe für die Wertschöpfung in der Region sind, zeigt ein gemeinsames Projekt „Tourismus im Schulunterricht – Wir kennen/können Tourismus“ der fünf Industrie- und Handelskammern Hochrhein-Bodensee, Karlsruhe, Nordschwarzwald, Schwarzwald-Baar-Heuberg und Südlicher Oberrhein zusammen mit der Schwarzwald Tourismus GmbH, das im Frühjahr 2011 startet. Hiermit wird bei den jüngsten Bewohnern der Ferienregion Schwarzwald angesetzt, um frühzeitig Verständnis für und Interesse an diesem Sektor zu vermitteln und zu schaffen sowie mögliche Karrierewege aufzuzeigen.

(Redaktion)