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Vermischtes | Mi, 25.03.2009 11:00

Zuversichtsindex März 2009: Kluft zwischen privater Zuversicht und Zuversicht für Deutschland wächst

Noch jeder Zweite schätzt seine aktuelle persönliche Situation positiv ein / Zuversicht in die wirtschaftliche Lage Deutschlands und die Sicherheit der Arbeitsplätze sinkt weiter / Hamburger, Bayern und Baden-Württemberger sehen aktuelle Lage am positivsten


Die Wirtschaftskrise drückt auf die Stimmung der Menschen in Deutschland – vor allem, wenn es um die Zukunft der Republik geht. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der monatlich durchgeführten Zuversichtsindizes, einer repräsentativen Befragung der Allianz Deutschland AG, in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim. Positiver dagegen seien die Deutschen bei der Einschätzung der persönlichen Situation. Auf die Frage, wie sie ihre aktuelle persönliche Situation einschätzen, antwortete im März 2009 mehr als die Hälfte der Befragten (52%) mit „gut“ oder „sehr gut“. Im Vergleich zum März 2008 (56%) sei damit die Seelenlage, zumindest was das private Umfeld angeht, ziemlich stabil. Ähnlich ungetrübt erscheine momentan auch der Blick in die persönliche Zukunft: 52 Prozent der insgesamt 1.500 Interview-Partner sähen im ersten Quartal 2009 die Entwicklung ihres persönlichen Lebens in den kommenden 12 Monaten optimistisch. Auch dieser Wert liege nur wenig unter dem Ergebnis des Vorjahres (56%). Am positivsten schätzten die Hamburger ihre aktuelle persönliche Lage ein. Beim Blick auf die eigene Zukunft seien die Schleswig-Holsteiner am optimistischsten.

Die Situation Deutschlands wird mit wachsender Sorge gesehen
Während vor allem die Menschen im Norden der Republik persönlich guter Dinge seien, wachse die Sorge hinsichtlich der Lage Deutschlands aller Orten. Im Laufe der letzten 12 Monate habe sich die Zahl der positiven Antworten zur aktuellen Situation im Lande mehr als halbiert: Schätzten im März 2008 noch 26 Prozent der Befragten die gegenwärtige Situation der BRD alles in allem als „gut“ oder gar „sehr gut“ ein, seien es im März 2009 nur noch 11 Prozent gewesen. Am positivsten beurteilten die Hamburger (23%) derzeit Deutschland, gefolgt von den Bayern (21%) und den Baden-Württembergern (20%).

Laut Studie schwächten täglich neue Hiobsbotschaften auch die Zuversicht in eine positive Entwicklung des Landes: Hätten im März letzten Jahres noch 29 Prozent der Menschen die Zukunft der BRD optimistisch gesehen, hätten bei den aktuellen Befragungen diese Einschätzung nur noch 16 Prozent geteilt. Am zuversichtlichsten für die kommenden 12 Monate der Republik seien die Menschen in der Hauptstadt Berlin (28%), in Baden-Württemberg (26%) und in Rheinland-Pfalz (26%).

„Die Schere zwischen der Wahrnehmung der gesellschaftlichen Lage und der Einschätzung der persönlichen Situation geht immer weiter auseinander - eine Tendenz, die sich im vergangenen Jahr mit der Ausweitung der Wirtschaftskrise bereits angekündigt hat und sich nun verstärkt,“ sagt Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim, der die Studie wissenschaftlich begleitet. „Zur sinkenden Zuversicht in die Entwicklung der Bundesrepublik tragen die beginnende Rezession, die Kurzarbeit sowie die angekündigten Stellenstreichungen, vor allem in den produzierenden Branchen, wesentlich bei.“

Zuversicht blüht im eigenen Heim und schwindet mit Blick auf die Wirtschaft
Am größten sei die Zuversicht der Bundesbürger nach wie vor im privaten Bereich: Vor allem das eigene Zuhause (86%) und die Familie, Partnerschaft, Kinder (60%) würden nahezu unverändert positiv beurteilt. Die Zuversicht in die eigene finanzielle Lage sei mit 46 Prozent stabil gegenüber dem Frühjahr 2008. Allerdings sei das Vertrauen in die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes (46%) gegenüber dem Vorjahr (54%) gesunken. Auch die Versorgung im Alter werde im März 2009 weniger zuversichtlich gesehen (24%) als zu Beginn des letzten Jahres (33%). Dabei sei das Vertrauen in die gesetzliche Rente nach wie vor sehr gering (6%), ebenso wie in die gesetzliche Pflege- und Krankenversicherung (12%). „Dass auch hier die Zuversicht sinkt, ist angesichts der Finanzkrise nicht überraschend“, interpretiert Thomas Pleines, Vorstandsmitglied der Allianz Deutschland AG.

Düsterer Blick auf die Sicherheit der Arbeitsplätze
Deutlich niedriger als für das private Umfeld fielen die Zuversichtswerte aus, wenn es um Deutschland geht: Die allgemeine Wirtschaftslage zum Beispiel schätzten nur noch 10 Prozent der Befragten optimistisch ein - im Vorjahreszeitraum gab es hierfür noch 32 Prozent zuversichtliche Antworten. Auch der Optimismus hinsichtlich der Sicherheit der Arbeitsplätze allgemein sei deutlich gesunken: von 11 Prozent im vergangenen Frühjahr auf 4 Prozent im laufenden Quartal. Besonders groß sei der Rückgang der Zuversicht in Bundesländern, die stark verwurzelt in der Automobilindustrie seien: In Bayern zum Beispiel sei die Zuversicht in die Sicherheit der Arbeitsplätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 16 Prozent auf 7 Prozent gesunken. In Baden-Württemberg sei ein Rückgang von 23 Prozent in 2008 auf aktuell 13 Prozent zu verzeichnen. Am dramatischsten sei die Zuversicht in Nordrhein-Westfalen gesunken – von einst 16 Prozent auf 2 Prozent im Frühjahr 2009.  

Der Allianz Zuversichtsindex
Basis des Zuversichtsindexes, einer gemeinschaftlich durchgeführten Studie der Allianz Deutschland AG und der Universität Hohenheim, sind repräsentative monatliche Befragungen mit jeweils mindestens 500 – 1.000 Interviewpartnern. Seit Dezember 2007 wurden insgesamt rund 10.000 Personen befragt. Die insgesamt 1.500 Interviews, die im 1. Quartal 2009 durchgeführt wurden, erfassen jeweils sechs persönliche und gesellschaftliche Dimensionen der Zuversicht. Der Zuversichtsindex bildet den Durchschnitt dieser Zuversichten ab. Die aktuellen Ergebnisse des Zuversichtsindexes sowie Trends, die sich daraus ablesen lassen, werden der Öffentlichkeit in der Regel vierteljährlich vorgestellt. Im ersten Quartal 2009 ist der Durchschnittswert des Allianz Zuversichtsindexes im Vergleich zum vierten Quartal 2008 leicht gesunken. Die Ergebnisse für das 2. Quartal 2009 erscheinen im Juni 2009.

Quelle: Universität Hohenheim