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Wirtschaft | Do, 22.03.2012 07:24

Zuversichtsstudie: Sorge um Deutschlands Zukunft – Hochstimmung beim Privatleben

Die gefühlte Lage der Nation im Frühjahr 2012 ist zwiespältig: In Bezug auf Deutschlands Zukunft sind die Bundesbürger weniger optimistisch als vor einem Jahr (minus fünf Prozent). Nur 31 Prozent antwortete im ersten Quartal 2012 auf die Frage, wie er die Gesamtsituation Deutschlands in den nächsten zwölf Monaten sieht, „mit Zuversicht“ oder „mit großer Zuversicht“. Anders die Entwicklung beim Blick in die persönliche Zukunft: Hier ist die Zuversicht gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen (plus fünf Prozent). 62 Prozent zeigen sich optimistisch, wenn es um die zukünftige Entwicklung ihres eigenen Lebens geht. Im persönlichen Bereich herrscht derzeit also Stimmungshoch, gesellschaftlich hingegen überwiegt die Skepsis. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der monatlich durchgeführten repräsentativen Befragungen zur Allianz Zuversichtsstudie, einem Gemeinschaftsprojekt der Allianz Deutschland AG und der Universität Hohenheim.


Besonders nachgegeben haben im Vergleich zum ersten Quartal 2011 die Zuversichtswerte für die allgemeine Wirtschaftslage (minus zehn Prozentpunkte). Auch die Bewertung des Arbeitsmarktes fällt skeptischer aus als vor einem Jahr (minus fünf Prozentpunkte). Gingen im Frühjahr des vergangenen Jahres noch 34 Prozent der Bundesbürger davon aus, dass die Arbeitsplätze sicher sind, teilen ein Jahr später noch 29 Prozent der Befragten diese Ansicht.

„Die anhaltende Diskussion um die Europäische Schuldenkrise beunruhigt die Menschen – zumal die Situation für den Einzelnen schwer einschätzbar ist. Das wirkt sich auf die Stimmung aus“, sagt Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt und Leiter der Unternehmensentwicklung der Allianz. „Die Finanz- und Wirtschaftskraft Deutschlands ist nach wie vor groß. Deshalb ist davon auszugehen, dass auch die Stimmung hinsichtlich der Zukunft Deutschlands wieder deutlich zuversichtlicher wird, sobald sich eine tragfähige Lösung für die Schuldenkrise abzeichnet.“

Insgesamt zeigen die Ergebnisse für die Wirtschaft im monatlichen Verlauf des ersten Quartals 2012 nach größeren Schwankungen in den letzten beiden Jahren eine Stabilisierung – wenn auch auf leicht sinkendem Niveau: Im Januar 2012 lag der Wirtschaftswert bei 37 Prozent, im Februar bei 35 Prozent und im März bei 34 Prozent. Damit liegt die Zuversicht für die deutsche Wirtschaft aktuell deutlich über dem Tiefststand von zehn Prozent im März 2009 und weit unter dem Höchststand von 56 Prozent im Juli 2011.

Unverändert gegenüber dem Vorjahreszeitraum sind die Werte für die Qualität der Schulen und Universitäten (25 Prozent) sowie für die gesetzliche Rentenversicherung (zwölf Prozent). Von elf Prozent auf 17 Prozent moderat gewachsen ist gegenüber dem Frühjahr 2011 allein die Zuversicht für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung.

„Die Milliarden-Überschüsse bei den gesetzlichen Krankenkassen schüren die Hoffnung, dass auch für den einzelnen Beitragszahler am Ende mehr übrig bleibt“, erklärt Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim, der die Allianz Zuversichtsstudie wissenschaftlich begleitet. „Diese Hoffnung kann aber auch schnell wieder in Enttäuschung umschlagen. Dann nämlich, wenn angesichts der Überschüsse weder die Praxisgebühr abgeschafft noch der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung spürbar abgesenkt wird.“

Wenn es um ihr eigenes Leben geht, ist die Stimmung der Bundesbürger selten besser gewesen als im Frühjahr 2012. Im ersten Quartal dieses Jahres sehen nahezu zwei Drittel der Befragten (62 Prozent) ihre persönliche Zukunft positiv (plus fünf Prozentpunkte). Im Februar 2012 wird mit 65 Prozent gar einer der höchsten Werte in diesem Bereich seit Beginn der Erhebungen zur Allianz Zuversichtsstudie im Jahr 2007 gemessen. Nur im Februar und November des vergangenen Jahres lag die Zuversicht bei 67 Prozent und damit jeweils um zwei Prozentpunkte höher.

„Neben zahlreichen internationalen Problemen haben auch innenpolitische Entwicklungen das Vertrauen der Bürger in die Zukunft Deutschlands geschwächt – nicht zuletzt die Umstände, die zum Rücktritt des Bundespräsidenten Christian Wulff führten oder auch die Konflikte innerhalb der Regierungskoalition. Für die Gesamtsituation Deutschlands ist die Stimmung daher gesunken. Doch die Wahl des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck könnte die Zuversicht erneut beflügeln“, sagt Prof. Dr. Brettschneider. „Positiv sieht es schon jetzt bei vielen Menschen im unmittelbaren Umfeld aus: Die Auftragsbücher sind voll, in der Automobilbranche gibt es kräftige Sonderzahlungen und in weiteren Branchen stehen Lohnerhöhungen an. Beim Ausblick auf mehr Geld im Portemonnaie ist die Zuversicht gestiegen – und mit ihr die Konsumfreude.“

Die Einschätzung der Bundesbürger hinsichtlich ihrer persönlichen finanziellen Lage in den kommenden zwölf Monaten hat sich im Vergleich zum Frühjahr 2011 um drei Prozent verbessert. Der Zuversichtswert für das eigene Zuhause (82 Prozent) ist um fünf Prozentpunkte gewachsen und hält damit den Spitzenplatz bei der persönlichen Zuversicht.

(Redaktion)