Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Do, 25.10.2012 10:27

Zuwanderung: Spanier und Griechen zieht es nach Deutschland

Arbeiten in Deutschland ist für Spanier und Griechen attraktiv. Die Zahl der griechischen Zuwanderer ist im vergangenen Jahr um 90 Prozent, die aus Spanien um 52 Prozent gestiegen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den Heimatländern haben bei den dortigen Studierenden auch zu einer geänderten Wahrnehmung des künftigen Gastlandes geführt. Diese aktuellen Ergebnisse zeigt eine Langzeitstudie des Arbeits- und Forschungsschwerpunktes Personalmanagement der Hochschule Pforzheim. Die Pforzheimer Professoren Markus-Oliver Schwaab und Wolfgang Schäfer führen seit 2009 europaweite Online-Befragungen unter Studierenden durch. Daran beteiligten sich fast 5.000 Nachwuchskräfte.


„Die Bereitschaft, für einen längeren Zeitraum in Deutschland beruflich tätig zu sein, ist unter den Studierenden in Süd- und Osteuropa am größten“, so Dr. Markus-Oliver Schwaab. Studierende aus Rumänien, Bulgarien, Spanien, Ungarn, Russland oder Griechenland sind deutlich eher bereit, ihren Arbeitsschwerpunkt nach Deutschland zu verlegen. Hingegen ist bei Studierenden aus Polen, der Türkei oder den baltischen Ländern weniger ausgeprägt. Bemerkenswert ist, dass auch Nachwuchskräfte aus deutschsprachigen Nachbarländern oder den Beneluxstatten wenig Lust verspüren, in Deutschland zu arbeiten.

Vor allem bei Rumänen und Spaniern ist diese Bereitschaft von 2009 bis 2012 deutlich angestiegen. Traditionell sind die englischsprachigen Staaten oder die Schweiz die stärksten Konkurrenten Deutschlands im „Kampf um internationalen Arbeitsnehmer“. Jedoch stehen diese Länder bei Bulgaren, Griechen, Rumänen oder Spaniern eindeutig nicht so hoch im Kurs. Nur die Polen haben entgegengesetzte Vorlieben.

Mit der Aufnahme der Arbeit in Deutschland sei allerdings nur der erste Schritt getan, erläuterte Schwaab die neuen Ergebnisse der Studie. Die hiesigen Verhältnisse beziehungsweise die Einschätzung dieser bestimmten die Länge des Arbeitsaufenthaltes. Der „Wohlfühlfaktor“ habe seit dem Jahr 2009 eine ausschlaggebende Wirkung. Dabei geht es um Fragen der Integration und der Sicherheit. Aber auch die Arbeitsbedingungen und eine generelle Offenheit im Umgang mit den ausländischen Fachkräften stehen im Fokus. Diese und weitere Aspekte beeinflussen entscheidend die Frage, ob Spanier, Griechen oder Bulgaren nach Deutschland kommen und wie lange sie bleiben. In dieser Hinsicht habe Deutschland keinen Imagevorteil, resümiert Schwaab. Das Deutschlandbild ist durch persönliche Meinungen und Erfahrungen gespeist, so die Ergebnisse der Studie.

Das Image eines Unternehmens im Ausland setze sich aus ganz unterschiedlichen Quellen zusammen. Unternehmen in bekannten Städten wie München, Berlin oder Hamburg profitieren. Unternehmen aus ländlichen Regionen müssen im Wettbewerb andere Akzente setzen. Betriebsklima, Wertigkeit des Arbeitsfeldes oder Karrierechancen spielen bei der Auswahl des Unternehmens eine große Rolle. Faktoren wie Arbeitszeit, betriebliche Sozialleistungen oder auch Weiterbildungsmöglichkeiten nahmen in ihrer Relevanz für ausländische Studierende ab.

Die Frage, wie lange ausländische Mitarbeiter im Unternehmen verbleiben, sollte für die Unternehmen eine zentrale Rolle spielen, so Schwaab. „Unternehmen, die sich früh öffnen und Integrationsstärke beweisen, haben einen Vertrauensbonus und einen Wettbewerbsvorteil“, erklärte der Pforzheimer Professor. Die langfristige Bindung ausländischer Arbeitskräfte stelle das Personalmanagement der Unternehmen vor eine große Aufgabe, so eine weitere Bilanz der Studie.

(Redaktion)